PTBS vs. Mefloquine Toxicity/Intoxication (Mefloquinvergiftung) V1.0 (Stand 10.07.16)


Die Symptome einer Mefloquinvergiftung (Mefloquine Intoxication) nach Chemoprophylaxe (CP) mit Lariam gleichen denen einer PTBS und können auch mit dieser einhergehen/sich überlappen.

Zu den häufigsten Symptomen zählen: Schlafstörungen (in den meisten Fällen Insomnie), Angststörungen (häufig Panikattacken), Bipolare Störungen (manisch/depressive Phasen), Agitiertheit (Unruhe, Ruhelosigkeit), Aggression (leicht Reizbar, gesteigerte Wut), Misstrauen (auch gegenüber Familienangehörigen), Albträume, Suizidale Gedanken und andere Stimmungsschwankungen/Wesensveränderungen. Im Grunde genommen alle in der Fachinformation (FI) von Lariam beschriebenen neuropsychiatrischen Nebenwirkungen

Fachinformation Lariam (Stand August 2015)

Entgegen der manchmal noch vorherrschenden Meinung das diese Nebenwirkungen lediglich persistierend ("über mehrere Monate oder länger anhaltend") sein können (und sich dann wieder geben), ist mittlerweile bekannt und auch beschrieben das diese Nebenwirkungen permanent (dauerhaft) sein können. Neben den Diagnosen einer PTBS, einer akuten Belastungsreaktion nach Einsätzen oder auch anderen Einsatzbezogenen psychischen Erkrankungen, gibt es in Deutschland derzeit keine Thematisierung der "Mefloquinvergiftung" die häufig mit einer vermeintlichen PTBS fehldiagnostiziert wird. Aus dieser Fehldiagnostik resultiert dann häufig auch eine Fehlbehandlung (meist mit Psychopharmaka) die eine Verschlechterung des Zustandes zur Folge haben kann.

Die Fachinformation beschreibt diese evtl. eintretenden permanenten Schäden eher im Bereich der Neuropathie: "Mefloquin soll bei Patienten abgesetzt werden, die Symptome einer Neuropathie aufweisen, einschließlich Schmerzen, Brennen, Kribbeln, Taubheit und/oder Schwäche, um der Entwicklung einer irreversiblen Störung vorzubeugen."

In einem PRAC Meeting (PRAC=Pharmacovigilance Risk Assessment Committee - Ausschuss für Risikobewertung im Bereich der Pharmakovigilanz) der Europäischen Arzneimittelaufsichtsbehörde EMA im Februar 2014 wurde allerdings auch das Auftreten von möglichen permanenten Schäden im neuropsychiatrischen Bereich eingehend beschrieben und diskutiert. Ebenfalls das neuropsychiatrische Nebenwirkungen auch erst lange nach Absetzen von Lariam auftreten können. Das widerlegt somit auch eine vorherrschende Meinung das -wenn überhaupt- gleich nach der Einnahme der ersten Dosen von Lariam neuropsychiatrische Nebenwirkungen auftreten müssten (und nicht erst lange danach).

Updated PRAC rapporteur assessment report on the signal of permanent neurologic (vestibular) disorders with mefloquine

In dem später für die Öffentlichkeit zusammengefassten Bericht des PRAC-Meetings fehlt allerdings der Zusatz "or become permanent" im Zusammenhang mit neuropsychiatrischen Nebenwirkungen.

Das Walter Reed Army Institute of Research (WRAIR) das den Wirkstoff Mefloquin Anfang der 1970er Jahre entwickelt hat, schreibt in der Schlussfolgerung des Fallberichts (Veröffentlicht im Juni 2016) eines 32-jährigen ehemaligen Angehörigen der US Navy folgendes: "„Dieser Fall dokumentiert die möglichen Langzeitschäden und verschiedenen Mefloquininduzierten neuropsychiatrischen Nebenwirkungen, die von einer zentralen Vestibulopathie über signifikante Verhaltensänderungen und Schlafstörungen reichen. Insbesondere bezogen auf Angehörige des Militärs, zeigt es die Schwierigkeit in der Unterscheidung einer möglichen Mefloquininduzierten Toxizität gegenüber einer PTBS und wirft einige Fragen in Bezug auf mögliche Verbindungen zwischen den beiden Diagnosen auf.“

Prolonged Neuropsychiatric Symptoms in a Military Service Member Exposed to Mefloquine

Es ist die erste bekannte Studie des WRAIR (40 Jahre nach der Entwicklung) das sich mit der Thematik beschäftigt. Dies hat nicht nur in große Beachtung (vorwiegend in Fachkreisen) gefunden, sondern zeigt auch, das in anderen Ländern die Thematik jetzt auch von zuständigen Stellen des Militärs wahrgenommen wird. Die Schwierigkeit einer Diagnose (oder eben auch die Fehldiagnose PTBS), bzw. auch das Fehlen fundierter Diagnosekriterien ist auch anschaulich in dem Buch der amerikanischen (ehemaligen US Army Angehörigen) forensischen Psychiaterin E.C. Ritchie beschrieben:

PTSD and Related Diseases in Combat Veterans

Im Kapitel 19 "The Mefloquine Intoxication Syndrome: A Significant Potential Confounder in the Diagnosis and Management of PTSD and Other Chronic Deployment-Related Neuropsychiatric Disorders" wird näher auf die Problematik der Diagnostik eingegangen.

Wie schon angemerkt kann die Behandlung der Symptome einer "Mefloquinvergiftung" mit bestimmten Medikamenten (z.B. Psychopharmaka, Schlaftabletten, etc.) absolut kontrainduziert sein und auch eine Verschlechterung des gesundheitlichen Zustandes bewirken. Bei einer tatsächlichen PTBS Erkrankung (oder anderen Einsatzbezogenen psychischen Erkrankungen) sind zumeist keine Teile des Gehirns permanent geschädigt oder in der "Substanz" verletzt. Dadurch können Medikamente in diesen Fällen (tatsächliche PTBS) absolut hilfreich sein und auch eine Verbesserung des gesundheitlichen Zustandes erreichen. Bei einer Mefloquinvergiftung können allerdings Teile des Gehirns dauerhaft geschädigt sein. Mefloquin hat u.a. die Wirkung eines Neurotoxins (Nervengiftes) und kann in die Klasse der "psychotropen Substanzen" eingegliedert werden. Der Wirkstoff ist in der Lage die Blut-/Hirnschranke zu überwinden (was Arzneimittel nur unter bestimmten Bedingungen können und sollten) und kann dadurch möglicherweise verschiedene neuronale (und andere) Schädigungen am Hirnstamm bewirken. Diese Schädigungen betreffen u.a. das limbische System, Neuronen, Connexine und Gap Junctions im Hirn. Vereinfacht ausgedrückt, die "Kleinteile" im Hirn. Der amerikanische Wissenschaftler und Arzt R. Nevin (ebenfalls ehemaliger US Army Angehöriger und zugleich ehemaliger Mitarbeiter des WRAIR) hat verschiedene Studien dazu veröffentlicht die auf seiner Webseite abgerufen werden können.

Webseite von Dr. R. Nevin mit Publikationen zum Thema "Antimalarial Toxicity" und "Military Mental Health"

Der amerikanische Journalist Mark Benjamin (der sich viele Jahre mit Lariam und Betroffenen der Nebenwirkungen beschäftigt hat) hat es einmal folgendermaßen beschrieben:

"The other thing that’s interesting about the drug label that Roche puts out is that it says on the drug label an interesting thing about Lariam. I mentioned how it crosses the blood-brain barrier. Sometimes people—or actually, frequently, when people have a problem with this drug, the percentage that do, once the damage is done in the brain, it’s done. In other words, it’s not like you can just wait until this drug gets out of your system, and then you’re OK. Typically, once the damage is done to your brain and your central nervous system, it’s done. It’s like being hit in the head with a hammer. And it says that on the drug label. It says that sometimes it doesn’t matter whether you stop taking the pills. If you have problems, they last, quote, "long after," unquote, people stop taking the drug. So it’s—I think it’s safe to say that it, in some situations, can be a very dangerous pill."